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„Alles dicht in NRW“ ist Geschichte.

Nach 10 Jahren, 2 Monaten und 8 Tagen ist „Alles dicht in NRW“ und mit ihr die Dichtheitsprüfung Geschichte.

Die Nachricht kam heute erst in meinem Postkorb an mit Datum vom 12. August, in Kraft aber offenbar schon seit 15. Juli 2020

https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_vbl_detail_text?anw_nr=6&vd_id=18658&ver=8&val=18658&sg=0&menu=1&vd_back=N

Danke an alle, die mitgeholfen haben.

Der Internetauftritt wird für Recherchezwecke noch einige Monate aktiv sein und dann vom Netz gehen.

Das Buch zum Thema "Ignoriert, ausgelacht und abgezogen" ist jetzt um ein Kapitel "Letzer Akt" reicher und ab Ende August 2020 dann in der 3. und letzten Ausgabe im Buchhandel.

 IgnoriertCoverV3


Mein erster Ausflug in die mir bis dahin vollkommen unbekannten Gewässer der Landes- und Kommunalpolitik hat mit „Alles dicht in NRW“ Ausmaße angenommen, die ich mir nie hätte vorstellen können. Viele Illusionen über die Triebfedern politischer Entscheidungen sind mir dabei unwiederbringlich verloren gegangen und ich hinterfrage heute vieles, was ich früher einfach akzeptiert hätte. Das Wörtchen „offenbar“ und vergleichbare Formulierungen sind für mich seither Reizworte, die vor allem darauf abzielen, Nachfragen zu unterbinden, und ein Spruch ziert heute meine Mail Signatur „Zu tun, was alle tun, zu sagen, was alle sagen, zu denken, was alle denken, ist immer bequem, aber selten richtig“.
Für mich ist immer noch unfassbar, welcher immense Aufwand und gigantische Energie unzähliger Bürger über Jahre hinweg eingesetzt werden mussten, um eine einzelne Fehlentscheidung zu revidieren, die innerhalb von Minuten von uninteressierten Parlamentariern durchgewunken wurde. Leider ist dies kein Einzelfall. In der Politik geht es regelmäßig vor allem um Macht, darum, Recht zu haben und Recht zu behalten, das eigene Image zu pflegen. Genauso wichtig erscheinen eine gute Selbstdarstellung und Lob zu bekommen unter Gleichgesinnten in der selbstgeschaffenen Blase. Rückgrat zu zeigen, wie es früher einmal ein Herbert Wehner oder Franz Josef Strauß in harten Auseinandersetzungen bewiesen, ist ein Auslaufmodell, kommt ganz schnell einem politischen Selbstmord gleich oder wird gebrochen, wobei die Medien eine durchaus unrühmliche Rolle spielen. Meinem inzwischen gewonnenen Eindruck nach orientiert sich Politik gerade in vielen existentiell wichtigen Gebieten nicht zuerst an der Faktenlage und schon gar nicht regelmäßig am Wohl der viel zitierten „Bürgerinnen und Bürger“. Vor allem auf kommunaler Ebene erschüttert mich diese Erkenntnis, obwohl es da meiner Wahrnehmung nach noch die meisten Ausnahmen von der Regel gibt.
Bei den schlimmsten Auswüchsen steht an erster Stelle ein politischer Wille, orientiert an hochfliegenden Zielen ohne konkreten Nutzen und ungeachtet der möglicherweise zerstörerischen Folgen im Einzelfall. Menschlicher Pragmatismus war gestern, gnadenlose Ideologie ist heute. Geeignete Fakten finden sich immer, werden im Nachgang ausgewählt, Statistiken bewusst missdeutet oder die Daten passend „bereinigt“. Sogenannte „Experten“, deren Qualifikation niemand prüft, oder willfährige „Wissenschaftler“, deren vorrangiges Ziel die Akquise lukrativer Projekt- und Studienaufträge ist, liefern mundgerecht die passenden Argumente dazu. Die Presse zeigt währenddessen landauf landab eine schon unheimliche Staatsnähe und nimmt dessen Kampagnen dankbar auf, ohne deren Begründung aus eigenem Antrieb wirklich kritisch zu hinterfragen. Genau das wäre die herausragende Aufgabe unabhängiger Medien. „Wo alle einer Meinung sind, wird meistens gelogen“ war einmal ein heute vergessener Leitspruch kritischen Journalismus‘. Das habe ich gerade am Anfang vermisst. Erst unser öffentlicher Widerstand hat schließlich für eine ausgewogenere Berichterstattung gesorgt. Aber nicht unschlagbare Sachargumente waren der Schlüssel, sondern Lautstärke. 

Kommentare   
0 #1 H. K. 2020-08-16 16:32
Danke an alle die sich eingesetzt und engagiert haben.

Bleibt gesund und weiter engagiert!

Vielen dank für euren Einsatz! Hoffe wir, dass nicht die nächste Regierung alles auf Null setzt.
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