Fakten

Defekte Hausanschlüsse gefährden unser Grundwasser

Defekte Hausanschlüsse gefährden unser Grundwasser ist das Totschlagsargument, das auf die “naiven und dummen” Bürger zielt und jede Kritik im Keim ersticken soll.

So tönen die Interessenvertreter “Grundwasser ist ein Allgemeingut und Grundnahrungsmittel welches unter einem besonderen Schutz steht

 

Es gibt in Deutschland keine nennenswerte Belastung des Grundwassers durch defekte Hausanschlüsse. Diese Auffassung bestätigt auch die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Partei DIE LINKE.

  • „Deutschland erfüllt die EU-Vorgaben im Bereich Abwasser­entsorgung vorbildlich“ aus dem 5. Bericht der EU-Kommission zur Umsetzung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie vom August 2009
  • „Es gibt keine europäische Richtlinie zur Dichtheitsprüfung der hauseigenen Kanalisation“ aus der Antwort vom 06.10.2009 der EU-Kommission auf eine Bürgeranfrage vom 12.09.2009 .
  • „Trinkwasser in Deutschland ist gut bis sehr gut“ aus der Presseinformation Nr. 18/2009 des Umwelt-Bundesamtes

Professor Dr.-Ing. Hartmut Hepcke aus Steinfurt kommt zu einem eindeutigen Schluss:
Undichte Hausanschlussleitungen stellen aus abwassertechnischer Sicht keine Gefahr für den Boden und das Grundwasser dar.” (Seite 6 seines Scripts)

Das vielzitierte Pilotprojekt in Köln-Höhenhaus 2004/2005 ergab über 90% defekte Abwasserleitungen. Die penibel durchgeführten Trinkwassermessungen an örtlichen Brunnen ergaben dabei vor, während und nach den teuren Sanierungen unverändert einwandfreie Werte. Eine aktuelle Dissertation an der Universität Hamburg belegt:  “Leckagen konnten (...) in der Regel nur bis 10cm Tiefe nachgewiesen werden.”. Auch frühere Ausarbeitungen, wie die von Ulrich Hagendorf, UBA Umweltbundesamt belegen: “(...)Anhand von Leitparametern wurden Abwasserinhaltsstoffe in der unmittelbaren Umgebung, insbesondere bei schweren Schäden nachgewiesen. Sie sind auf eine nur wenige Dezimeter mächtige Infiltrationsschicht beschränkt, im Grundwasser jedoch nicht belegt. (...)”

Auch die in der Presse als “überzeugenden Beleg” dargestellte Literaturauswertung, die Herr Remmel mit Steuermitteln finanziert hat, bringt nichts Neues und belegt im Grunde wieder das Gegenteil: eine Gefahrenlage lässt sich nicht glaubhaft konstruieren.

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen defekten privaten Abwasserleitungen und einer Grundwasserbelastung.

Nachgewiesen werden beispielsweise Hormone, Antibiotika und PFT. Keine dieser problematischen Stoffe stammen aus Privathaushalten. Die ersten beiden Einträge stammen aus der Schweine- und Rindermast oder aus Gülledüngung. PFT stammt ausschließlich aus industriellen Anlagen. Genauso sieht es mit anderen typischen Verunreinigungen aus. Gefahren aus Medikamenteneintrag durch undichte Hausanschlüsse sind konstruiert und gelangen eher durch Einleitungen aus Kläranlagen in die Gewässer, da sie nicht abgebaut werden können. Ein weiteres Problem sind Klärschlämme: Zwei Millionen Tonnen davon landen jährlich auf unseren Feldern. Alle Schadstoffe, die wir Bürger mühsam sammeln und unter hohen Kosten in die Kläranlagen befördern, landen hochkonzentriert wieder auf unseren Böden. Hinzu kommen hochverkeimte Abfälle aus Biogasanlagen. Wer kann uns da noch erklären, weshalb wir jetzt Milliarden ausgeben müssen, um die letzten 0,05% unseres Abwassers auch noch in die Kanäle zu befördern?

Außerdem ist bekannt, dass die Trinkwasserqualität beim Bürger vor Ort in starkem Maße vom Zustand der Zuleitungen abhängt. Gerade im ländlichen Bereich sind ungenutzte, tote Hausanschlussleitungen ein Problem, weil sich dort Keime entwickeln und anreichern, die nach und nach ins Trinkwasser abgegeben werden. Andere Schadstoffquellen, etwa aus Deponien, Straßen, Friedhöfen, Ergasbohrungen, Schienennetz  tragen in weit stärkerem Maße zu Verunreinigungen bei.

Eine seit etwa  60 Jahren bekannte Gefahr für das Grundwasser ist der Dünger-Stickstoff (genauer : Nitrat) aus der Landwirtschaft. Deshalb hat die EU eine "Nitratrichtlinie" beschlossen. Die Mitgliedsländer berichten alle vier Jahre über Trends. Der letzte Bericht ( für 2004 - 2007)  listet Regionen mit Besorgnis erregenden Nitratwerten im Grundwasser auf. Diese liegen in Teilen Estlands, den südöstlichen Niederlanden, Belgien (Flandern), England, Frankreich (Bretagne), Norditalien, Nordostspanien, dem Südosten der Slowakei, Südrumänien sowie Malta und Zypern. Für eine EU-Richtlinie zur Reduzierung von Waschmittel-, DuschGel- oder Haarshampoo-Detergentien im Grundwasser bestand für die EU-Kommission scheinbar bislang keine Notwendigkeit.

In der Bundesrepublik fallen jährlich 300 Mio Tonnen Gülle an. Pro Einwohner etwa 10 l Gülle täglich. In den Grenzgebieten von NRW litten die Leute noch bis vor kurzem unter dem Gülletourismus aus Holland.

“... Durch die Düngung mit Schweinegülle werden Antibiotika in den Boden eingetragen. Bei starker Belastung ist das Vordringen von Tetracyclin in oberflächennahes Grundwasser bis 0,13 bei Sulfamethazin bis zu 0,24 Mikrogramm pro Liter nachgewiesen . ...”
“... Die Konzentration der Tierhaltung und die Produktion enormer Güllemengen sind als Hauptursache der Nitrat-Belastung hervorzuheben. ...”

Aus dem Arbeitsbericht der DFG-Forschergruppe an der Universität Karlsruhe:
S.1 “... Eine Gefährdung von Boden und Grundwasser durch langfristiges Versickern von Abwasser konnte bei diesen Untersuchungen nicht abschließend geklärt werden. ...”
S.73 “... Im Kanal existiert demnach eine gewisse Selbstabdichtung, ...”
und S.16 “Der Großversuchsstand wird seit Mai 2001 mit konstantem Durchfluss (6,7 l/s) durch das mit einem Leck (Querschlitz 4x140 mm) versehene Kanalrohr betrieben .... Am Ende des dargestellten Beobachtungszeitraumes wurden in der Summe 402 l Sickerwasser in den Abläufen des Versuchstandes registriert. Dies entspricht 0,007% der Abwassermenge, die im gleichen Zeitraum durch den Versuchsstand gepumpt wurde. ...”
Wie viele andere konstruiert auch diese Studie Problemsituationen im Labor, ohne tatsächlich praxisrelevant zu sein. Entlarvend ist, dass die oben genannten Aussagen sich überhaupt in einer solchen Arbeit finden lassen, deren eigentliches Ziel es ist, eine behauptete Gefahrenlage zu belegen.

Ein Szenario, in dem eine defekte Hausleitung Grundwasser gefährden kann, ist nur schwer vorstellbar. In normalem Erdreich ist eine Belastung regelmäßig nur im Abstand von wenigen Zentimetern um eine Austrittsstelle nachweisbar. Liegt die Leitung unterhalb des Wasserspiegels, dann kann selbst bei mittelschweren Beschädigungen kein Abwasser austreten, da außen dann ein Überdruck besteht. Es kann nur umgekehrt Fremdwasser eintreten und in die Kanalisation gelangen. Im Übrigen handelt es sich dabei immer eher um Oberflächenwasser, das keinesfalls der Trinkwassergewinnung dient. Dieses Wasser kann ohnehin stark belastet sein durch Düngung  und viele andere Schadstoffe, die etwa durch den Straßenverkehr auf und in den Boden gelangen. Hierbei ist häusliches Abwasser als Schadstoffquelle zu vernachlässigen. Grundwasser wird nur aus tiefen Schichten gewonnen.

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